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AKTUELL

Woran ich gerade arbeite

Es geht weiter! In den ersten beiden Bänden über unsere Segelreise erzählte ich davon, wie wir unser Schiff instand stellten, von unseren ersten Fahrten auf dem Atlantik, dem Leben an Bord, auf den Kanaren, den Kapverden und in Südamerika sowie von der Schiffsgeburt unseres jüngsten Kindes. Im dritten Band geht es nun ums Segeln mit Baby, Tauchen in Venezuela, Hundewelpen in Kolumbien, unsere Erlebnisse auf Kuba und die zweite, anspruchsvolle Atlantiküberquerung von den Bahamas über die Bermudas zu den Azoren.

 

Im Folgenden plaudere ich aus dem Nähkästchen und erzähle, an welchem Kapitel ich gerade schreibe, welche Gedanken mich dabei begleiten und worum es ganz konkret geht. Viel Spaß dabei!

2. Atlantiküberquerung: Bahamas-Bermudas-Azoren

Wie bereits in den beiden ersten Teilen unseres Reiseberichts wechsle ich auch diesmal zwischen zwei verschiedenen Zeitfenstern. Einerseits erzähle ich linear von unseren Erlebnissen in den verschiedenen Ländern, andererseits kehre ich immer wieder zu unserer zweiten Atlantiküberquerung zurück, die uns durch den Nordatlantik von den Bahamas über die Bermudas zu den Azoren geführt hat.

Die West-Ost-Überquerung ist deutlich anspruchsvoller als die Seereise von Europa nach Amerika. Das liegt an den

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vorherrschenden Windsystemen. Während zwischen den Kanaren/Kapverden und der Karibik der Passatwind in den Wintermonaten die Schiffe relativ zuverlässig von Ost nach West bläst, tummeln sich auf der Nordroute das ganze Jahr über verschiedene Frontensysteme. Flauten und Stürme wechseln sich ab mit allem dazwischen. Die Chance, die Passage relativ unbeschadet zu meistern, ist im Spätfrühling zwischen Mai und Anfang Juli am größten.

 

Haben wir uns auf unserer Reise von den Kapverden nach Französisch-Guyana auf den Passatwind verlassen, der uns auch tatsächlich sicher über den Atlantik gebracht hat, so vertrauen wir bei der Nordroute auf die Empfehlungen von Wetterexperten. Einmal täglich senden wir übers Satellitentelefon unsere Position, Kurs und Geschwindigkeit über Grund und erhalten individuelle Wettervorhersagen und Kursempfehlungen. So gelingt es uns meistens, Kaltfronten auszuweichen oder zumindest nicht volle Kraft voraus von ihnen überholt zu werden. Kaltfronten bringen immer erst viel Wind, hin und wieder mit einer Richtungsänderung, Regen und danach Flaute mit unangenehmer Welle.

Ich schätze die Möglichkeit der Wettervorhersage sehr. Andererseits ist es aber eine besondere Herausforderung, angemessen mit Starkwindprognosen umzugehen. "Kaltfront mit Wind bis zu 9 Beaufort (=Sturmstärke)". Diese Nachricht bringt mein Gehirn ordentlich durcheinander. Bevor ich in der Lage bin, rational zu denken und Vorbereitungen zu treffen, wird mir heiß und kalt, mein Puls rast und ich bin sehr dankbar dafür, dass Michael die neue Herausforderung sportlich nimmt und ihr schon fast mit einem Lächeln entgegenblickt. Für ihn kann es kaum wild genug werden... Über den Umgang mit unvorhergesehenen Veränderungen habe ich auch in meinem neusten Blogartikel geschrieben.

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Trinidad - Grenada: Unser erster Törn mit Baby

 

Andri ist vier Monate alt, als wir seinen Geburtsort Trinidad im Mai 2018 verlassen. Obwohl wir nur einen kurzen Törn von zwei Tagen vor uns haben bis Grenada, bin ich nervös. Zum einen, weil wir noch nie mit Baby gesegelt sind. Jonas war drei Jahre alt bei seinem (und unserem) ersten Hochseetörn. Zum anderen, weil wir auf unserem Weg zwei Erdgasbohrinseln passieren müssen. Bei einer der beiden ist vor drei Jahren ein Segelboot von Piraten überfallen worden. Zwar planen wir unsere Route in gebührendem Abstand zu den Plattformen, doch Wind und Welle spielen nicht mit. Eine der Bohrinseln kommt immer näher..

Auf einem Segelboot auf dem Ozean unterwegs zu sein, ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Was braucht es, um sich freiwillig in einer Nussschale den Naturgewalten auszusetzen?

Ich habe in meinem aktuellen Blogbeitrag über Kontrolle versus Vertrauen geschrieben und darüber, dass es im Alltag beides braucht. Wer in See stechen will, ist mit dieser Thematik verstärkt konfrontiert. Für einen genussvollen Törn ist Kontrolle elementar wichtig. Lange vor dem Start müssen unzählige Dinge auf ihre Funktionstüchtigkeit kontrolliert werden, Pumpen, Schläuche, Dichtungen, Motoren, Rollen, Blöcke, Leinen, Segel, Schäkel, Winschen, die Ruderanlage, Elektrik und Elektronik. Ein Großteil der Törnvorbereitung besteht im Kontrollieren. Und auch während der Reise sollte das Schiff lieber nicht außer Kontrolle geraten.

Doch auch hier ist Kontrolle nur eine Voraussetzung. Die zweite, mindestens genauso wichtige, ist Vertrauen. Das Vertrauen ins Boot, ins Wetter, ins Meer und nicht zuletzt in die eigenen Fähigkeiten. Ein Boot mag noch so perfekt ausgerüstet sein, die Wetterprognose noch so ideal und die eigene Seglerausbildung noch so umfassend, ohne Vertrauen lohnt es sich nicht, die Leinen zu lösen. Denn dann werde ich nicht nur beim ersten unerwarteten Hindernis in Panik ausbrechen, mich angsterfüllt in der Dunkelheit der Nacht verkrampft an die Reling klammern und in die schwarze Wassermasse um mich herum starren, sondern ich werde auch niemals in der Lage sein, das überwältigende Gefühl von Freiheit zu spüren, das letztlich die große Triebkraft für jedes Segelabenteuer ist.